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Ein Vierteljahrhundert Ich

  • 8. Apr.
  • 13 Min. Lesezeit

Warum ich dankbar bin für alles, was mich verändert hat.


Am 23. Oktober feierte ich meinen 25. Geburtstag. Zwar ist das nicht besonders alt, aber der Gedanke, dass ich schon ein Vierteljahrhundert hinter mir habe und in derselben Zeitspanne 50 sein werde, also die Hälfte von 100, macht mich nachdenklich.

In den letzten 25 Jahren habe ich mein Leben mit Kindergarten, Schule, Uni, meinen Freunden und meiner Familie verbracht. Die meiste Zeit davon habe ich in meiner kleinen Heimatstadt gelebt. Auch wenn ich keine Wahrsagerin bin, glaube ich, dass die nächsten 25, 50 oder vielleicht sogar 75 Jahre ganz andere Dinge für mich bereithalten werden. Etwas wehmütig blicke ich dennoch zurück auf die sorgenfreien Zeiten als Kind und Teenager, in denen ich viele Werte zum ersten Mal verstehen durfte.

Man lernt nie aus, und auch in den kommenden Jahrzehnten hoffe ich auf Veränderung. Trotzdem kommen hier schonmal 25 Dinge, die ich in den letzten 25 Jahren gelernt habe und für die ich dankbar bin, weil ich dieses Wissen mit in die Zukunft tragen darf.


#1 Cool sein, heißt nett sein

Die coolsten Menschen, die ich kenne, sind diejenigen, die Türen aufhalten, Sitze freigeben oder an der Kasse jemanden vorlassen. Was für mich nur eine Kleinigkeit ist, kann für jemand anderen eine schöne Erinnerung, eine große Erleichterung oder ein kleiner Funken Hoffnung sein. Was kitschig klingt, ist wahr und das dürften wir alle schon einmal selbst erlebt haben.

Mein Tag beginnt besser, wenn mir jemand die Vorfahrt schenkt. Das Croissant schmeckt saftiger, wenn ich beim Bäcker vorgelassen werde. Und es ist jedes Mal eine Erleichterung, wenn mir jemand mit meinen Koffern hilft. Nett zu sein, bedeutet nicht nur, anderen zu helfen oder etwas zu geben, sondern dem Gegenüber das Gefühl zu schenken, gesehen zu werden. Ich gebe meinen Platz im Bus nicht ab, weil ich denke, jemand sei zu alt zum Stehen, sondern weil ich weiß, diese Person hatte wahrscheinlich einen anstrengenden Tag. Wenn ich meinen Nachbarn im Treppenhaus „Guten Morgen“ sage, dann nicht, weil man das eben so macht, sondern weil ich es ihnen wirklich wünsche und mich freue, sie gesund zu anzutreffen.

Manchmal ist es nicht die Arbeit, die uns müde macht, sondern die Art, wie Menschen miteinander umgehen. Ein bisschen Güte kann dann Wunder wirken, wie ein Farbtupfer an einem grauen Tag. Und das Schöne ist: Wer Farbe schenkt, trägt selbst mehr davon im Herzen.


#2 Lass sie reden!

Ob es deine Insecurities sind oder peinliche Fauxpas, die du einer Person anvertraut hast, sobald diese Person sie in oder außerhalb deiner Anwesenheit nutzt, um andere zum Lachen zu bringen oder dich schlecht darzustellen, sagt das mehr über sie aus als über dich. Während sie dich als Punchline braucht, brauchst du nichts weiter als deine Persönlichkeit, um ein interessantes Gespräch führen zu können.

Es ist mir oft passiert, dass Menschen, die ich als Freunde gesehen habe, vor anderen anfingen, Dinge auszuplaudern, die mir eigentlich unangenehm waren oder mich dumm aussehen ließen. Ich fragte mich dann: Warum müssen jetzt alle wissen, dass mein Zimmer letzten Montag „voll schlimm“ aussah oder dass ich in einer Einbahnstraße in die falsche Richtung gefahren bin?

Früher setzte ich eine Fassade auf, tat so, als würde es mich nicht interessieren, und lachte sogar mit. Abends überdachte ich die Situation pausenlos, weil mein Blut innerlich kochte. Heute ist das keine Fassade mehr. Ich erzähle die Story lieber selbst weiter, denn schließlich bin ich der Main Character in dieser Punchline. Manchmal höre ich mir das auch einfach gelassen an und lasse die Leute reden. Zwar begriff ich, dass vergangene Peinlichkeiten auch lustig sein können, statt sie mit Strenge zu sehen, aber ich verstand, dass solange man mit sich selbst im Reinen ist, es wirklich irrelevant ist, wer was sagt und was andere denken.


#3 Nonchalant ist uncool

Warum sollte jemand in dieser großen, bunten Welt unsichtbar bleiben wollen? Viele verwechseln Coolsein mit Unauffälligkeit. Für mich sind coole Menschen jene, die lachen können, Offenheit ausstrahlen und einfach sie selbst sind. Natürlich gibt es Menschen, die eher introvertiert sind, und andere, denen es leichter fällt, weil sie extrovertiert sind, aber wir schulden es uns zumindest, leicht, frei und unbeschwert zu sein.

„Warum schreist du so?“, „Chill doch“ oder „Die Leute gucken schon“ sind Sätze, die ich häufig gehört habe. Früher waren sie mein Mood-Killer. Ich wurde still und überdachte die Situation immer wieder, sobald ich zuhause war. Ich fragte mich, ob ich wirklich so laut war, und schämte mich aus Peinlichkeit sogar ein wenig. Einmal, vor ein paar Jahren in Algerien, sagte meine Cousine dasselbe zu mir, als wir draußen unterwegs waren. Meine Mutter sah sie empört an und fragte nur: „Soll sie flüstern, damit du zufrieden bist? Das ist nun mal ihre Stimme, die Gott ihr gegeben hat.“

Selbstverständlich heißt frei zu sein nicht, sich aufzuführen, als wäre man auf einer Bühne. Rücksicht auf andere sollte wichtig bleiben, und das Ziel sollte nie sein, ein Monopol der Aufmerksamkeit zu bilden. Aber wir sollten unsere Art und Persönlichkeit nicht krampfhaft unterdrücken. Am Ende des Tages zählt nämlich nur, wie du dich fühlst, wenn du abends im Bett liegst.


#4 Auch mal nach rechts und links schauen

Jeder ist der Main Character in seinem eigenen Leben, aber nicht auch in dem der anderen. Sobald man Teil einer Gesellschaft ist, und das sind wir von Geburt an, ist man dazu verpflichtet, Rücksicht auf andere zu nehmen. Ob es um die eigenen Nachbarn, um Freunde oder Fremde geht, es zählt nicht nur unser eigener Komfort und unser Glück.

Kein Frieden wurde jemals durch nur eine einzige Person erlangt. Keine Person gewann allein eine Revolution, und niemand hat es allein geschafft, ganze Gesetze zu verändern. Egal, wie sehr wir versuchen, uns aus der Gesellschaft loszulösen, es wird uns nicht gelingen. Was uns aber gelingt, ist, Grenzen zu setzen. Rücksicht zu nehmen, ohne dabei zu leiden, bedeutet nicht unbedingt, sich zu beschweren, wenn der Nachbar einmal im Jahr seinen Geburtstag laut feiert. Einen Schritt zurückzugehen, wenn unser Gegenüber mal mehr Platz braucht.

Statt mit den Ellenbogen voran durch das Leben zu laufen, sollten wir es lieber mit offenen Armen versuchen. Nach links und rechts zu schauen, kann auch weiterhelfen. Dieses Bewusstsein nimmt den Druck. Man versteht, dass nicht alles an einem alleine hängt und lässt den Zwang los, immer perfekt sein zu müssen.


#5 Geld regiert schon die Welt, es muss nicht auch dich regieren

Teure Taschen, teure Kleidung und teure Urlaube, wer gönnt sich das nicht gerne? Als ich nach dem Abitur meinen ersten Job began, konnte mich nichts zurückhalten. Kaum war das Gehalt da, war es auch schon wieder weg. Tagelang klingelte die Post, und Wochen später hörte man meine Koffer im Treppenhaus hoch und runter rollen. Weder meine Familie noch meine Nachbarn oder die Bank hatten seither eine ruhige Minute.

Glücklicherweise merkte ich irgendwann, dass das kein Lebensstil war. Lieber zu spät als zu früh, aber ich bereue das natürlich nicht. Spaß hatte ich auf jeden Fall, doch nachhaltig war es ganz sicher nicht. Brauchte ich all die Sachen wirklich? Nein. Nutze ich sie alle immer noch? Ja.

Zwar bereue ich meine Ausgaben nicht, aber die Art, wie ich mit meinem Geld umgegangen bin. Klar, ich kaufe immer noch gerne schöne Sachen, reise viel und gehe gerne aus, aber eben bewusster. Ich habe gelernt, auch mal zu warten und Impulskäufe zu vermeiden. Bevor ich etwas kaufe oder bestelle, frage ich mich, ob es mir wirklich weiterhilft. Brauche ich wirklich die fünfte Tasche oder ein neues Portemonnaie, obwohl meine noch völlig in Ordnung sind?

Am Ende merke ich, dass es nicht nur ums Portemonnaie geht, sondern auch um die Psyche. Wer seine Finanzen ordnet, ordnet auch seine Gedanken. Statt unzählige Rechnungen und Zahlpläne im Kopf herumzutragen, ist dort heute Ruhe und Platz für Wichtigeres.


#6 Loslassen und leben lassen

Manchmal treffen wir, ebenso wie Menschen in unserem Umfeld, Entscheidungen, mit denen man als Außenstehender nicht immer D’accord sein kann. Es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass jemand, der uns nahesteht, nicht auf uns hören möchte und sich stattdessen für einen anderen Weg entscheidet. Oft sehen wir Dinge, die die andere Person in diesem Moment nicht sieht. Ob es die rosarote Brille, Naivität oder einfach nur Leichtsinnigkeit ist, egal was man sagt oder tut, alles wird abgewiesen.

Ich habe gelernt, Dinge einfach zu akzeptieren. Die Entscheidungen anderer anzunehmen, auch wenn es bedeutet, dass sie sich in ihr eigenes Verderben schicken. Manchmal ist es besser, wenn jemand den Konsequenzen seines eigenen Handelns begegnen muss.

Was ich trotzdem empfehlen würde, ist, alles zu tun, was in der eigenen Macht steht, um zu helfen. Sag offen, was du denkst, zeig die möglichen Nachteile und mach deutlich, dass dir an der Person etwas liegt und du dir deshalb diese Mühe machst. Trotzdem sollte im Hinterkopf bleiben, dass Menschen ihre Entscheidungen oft eher verteidigen, als sie zu überdenken.


#7 Ehrlichkeit währt am längsten oder so

In meinem Leben habe ich schon einige Freunde verloren. Rückblickend ist jeder Verlust tragisch, doch ich wünsche mir diese Freundschaften nicht zurück. Nicht, weil ich glaube, dass ich ohne diese Menschen „besser“ bin oder sie allein schuld waren, sondern weil ich zu mir und meinen Werten stand. Das macht meine ehemaligen Freundinnen nicht zu schlechteren Menschen, sondern zu Menschen, mit denen ich einfach nicht mehr befreundet sein kann.

Im Guten auseinandergegangen, quasi. Zwar fällt Punkt sieben ein bisschen in die Kategorie von Punkt sechs, aber hier möchte ich unterstreichen, wie wichtig es ist, ehrlich zu sein, zu sich selbst und zu anderen. Ich habe gelernt, dass man in den besten Freundschaften auch mal ein Nein-Sager sein darf. Jemand, der sein Gegenüber in die Realität zurückholt. Wenn das nicht gewünscht wird oder in einen Streit ausartet, teilen wir vielleicht nicht dieselben Werte.

Natürlich können Menschen auch befreundet sein, ohne dieselben Ziele und Werte zu teilen. Doch in einer Freundschaft zählt Ehrlichkeit und echtes Interesse am Leben des anderen. Es geht darum, füreinander da zu sein, Ratschläge zu geben, mitzudenken und Anteil zu nehmen. Wer dafür nichts übrig hat und lieber nur Ja-Sager um sich versammelt, sucht keine Freundschaft, sondern Bestätigung.

#8 Dein Zeichen, den Flug zu buchen


Ob in eine andere Stadt, ein anderes Land oder sogar auf einen anderen Kontinent, tu es! Wer das Privileg hat zu reisen, sollte es auf jeden Fall tun. Niemand kann mich davon überzeugen, dass Reisen sinnlos ist oder ich lieber warten sollte, bis ich älter bin. Ich kann heute reisen, morgen und auch noch in zehn Jahren. Bei über 200 Ländern kann man nie zu früh anfangen. Egal ob das Geld knapp ist oder mich Ängste überkommen, ich buche trotzdem.

Wer die Welt nicht sieht, kennt das Leben nicht. Mit dem Reisen verbinde ich neue Perspektiven, verschiedene Meinungen und andere Menschen. Auch in der Stadt nebenan gibt es Neues zu entdecken. Jedes Mal, wenn ich irgendwo bin, lerne ich etwas Neues. Nach jedem Flug sehe ich die Welt ein Stück anders und bin dankbar für die neuen Persönlichkeiten, die ich begegnen und Geschichten, die ich hören durfte.

Für jemanden in Algerien ist es ein Erlebnis, drei Tage ans Meer zu fahren, während meine Sitznachbarin in der Londoner U-Bahn es völlig normal findet, fürs Wochenende nach Paris zu fliegen. Beide leben in unterschiedlichen Welten, doch ich verstehe die Ängste und Gedanken beider, wenn sie davon erzählen. Und sie verstehen auch mich, selbst wenn wir alle auf ganz eigene Weise leben. Hier geht es nämlich darum neue Perspektiven einzunehmen und über den Tellerrand zu schauen.

Wer sich dem Reisen entzieht, nimmt sich die Chance, die Welt wirklich zu verstehen, denn wer nie hinausschaut, bleibt im eigenen Horizont gefangen.

#9 Falls du keine Zeitmaschine besitzt…


Jeder macht Fehler. Die Lösung ist nicht, sie zu bereuen, sondern aus ihnen zu lernen. Was zunächst wie ein schnulziges Zitat klingt, ist wahr, und das habe ich mit der Zeit verstanden. Immer wenn ich mich bei meiner Schwester über etwas Vergangenes aufrege, fragt sie mich, ob ich die Situation oder die Probleme, über die ich mich aufrege in den nächsten fünfzehn Sekunden ändern könne. Wenn die Antwort nein sei, sollte es geklärt sein.

Also merkte ich schnell, dass es mir nichts brachte, eine Entscheidung und ihre Konsequenzen im Nachhinein zu bereuen. Ich besitze keine Zeitmaschine, und vielleicht hätte mich auch eine andere Entscheidung nicht zufriedener gemacht. Lieber akzeptiere ich das Ergebnis meines eigenen Handelns und starte von dort neu, statt noch mehr Zeit zu verschwenden.


#10 Respekt ist gut, Selbstrespekt ist besser

Wie viele andere bin auch ich mit dem Narrativ aufgewachsen, dass junge Menschen ältere respektieren müssen. Aber was ist mit uns? Versteht mich nicht falsch: Natürlich begegne ich Älteren mit Respekt, doch ebenso Gleichaltrigen und Jüngeren. Jeder Mensch verdient einen respektvollen Umgang, das ist das Mindeste.

Wichtiger aber als der Respekt gegenüber anderen ist der Respekt vor sich selbst. Bevor ich mich also von älteren Kolleginnen oder Kollegen schlecht behandeln lasse, stehe ich für mich ein, auch wenn das für manche respektlos wirkt. Kein Alter gibt einem Menschen das Recht, ignorant oder egoistisch zu sein. Ich muss nicht so tun, als wüssten sie es nicht besser, wenn jemand Älteres rassistisch oder herablassend ist.

Respekt hat Grenzen. Selbstrespekt auch. Man kann sich selbst achten, ohne andere zu übersehen. Aber wer nur Rücksicht nimmt, verliert sich irgendwann selbst. Und wer nur auf sich schaut, verliert den Blick für das Menschliche. Das Gleichgewicht dazwischen, das ist der wahre Respekt.


#11 Platonische Liebe ist real

Wer liebt, sollte bereit sein, auch mal Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen. Jeder wünscht sich Freunde, die wie Familie sind, denen Vertrauen gilt, die erreichbar sind, wenn Hilfe gebraucht wird, und die inspirieren. Freundschaft gründet sich jedoch nicht nur auf gemeinsame Interessen, sondern vor allem auf Bereitschaft.

Egal ob es regnet, ich müde bin oder noch lernen muss, wenn meine Freundin Geburtstag hat, tauche ich auf. Der Gedanke, dass die eigenen Bedürfnisse immer an erster Stelle stehen sollten und das Umfeld die eigenen Grenzen respektieren müsse, gilt heute als normal, zerstört aber meiner Meinung nach Beziehungen. Um Freundschaften pflegen zu können, dürfte man sich ruhig etwas mehr bemühen. Meine Mutter hatte dafür glücklicherweise nie Verständnis. Wenn mich jemand einlud und es ein wichtiger Tag für den Gastgeber war, dann musste ich gehen. War ich krank, machte sie eine Ausnahme, ansonsten wurde wurde ein Geschenk gekauft oder ein Mitbringsel eingepackt und ich wurde dahin gefahren. Heute bin ich dankbar, dass es so war.

Denn heute habe ich kein Problem damit, quer durch Deutschland zu fahren, um meine Freunde zu treffen, egal ob es einen besonderer Anlass gibt oder nicht, denn das Treffen selbst ist Anlass genug. Wie sollen Freundschaften halten, wenn wir uns kein Stück einbringen? Mir ist die Freundschaft wichtig, aber ich habe keine Zeit, zu ihrer Hochzeit zu fahren? Wer Freundschaften wirklich ein Leben lang bewahren möchte, sollte auch mal zuerst schreiben, ein Zugticket kaufen oder sich Urlaub nehmen. Es ist nur eine Ausrede zu glauben, dass Erwachsene keine Zeit mehr für ihre Freunde haben können.


#12 Sure 20, Vers 114

Ob es aus dem Studium, aus der Schule oder aus einer zufälligen YouTube-Reportage ist, bleib immer offen für neues Wissen. Was heute unnötig klingt, könnte morgen nützlich sein. Die erste Armbanduhr wurde 1810 für Caroline Murat, die Schwester von Napoleon und Königin von Neapel, gefertigt. Erst im 20. Jahrhundert wurde sie während der Kriegszeit zu einem Männerschmuck, bevor sie später auch für Frauen alltäglich wurde. Random Fakt, oder? Hab ich aus der Vogue. Niemand fragt danach, aber es ist trotzdem Wissen, das ich besitze.

Sucht man auf YouTube nach dem Wort „Reportage“, bekommt man eine endlose Auswahl. Neben diesen Videos gibt es auch Menschen, die sich extra zu einem bestimmten Thema vor die Kamera stellen und vieles mehr. Wir leben in einer Zeit der Medien und haben mehr Möglichkeiten als je zuvor durch Bücher, Videos, Dokumentationen oder KI. Wer sich also heute noch als unwissend bezeichnet, dem fehlt nicht der Zugang, sondern die Neugier. Kein Wissen ist unnötig.

Wissen zu suchen ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, offen für neues Wissen zu bleiben. Mein 14-jähriger kleiner Bruder hat mir vor ein paar Wochen erklärt, dass er in der Schule gelernt hat, warum Albinos rote Augen haben. Dadurch konnte ich wieder etwas Neues lernen, von einem Kind, ja, aber das macht das Wissen kein bisschen weniger wertvoll.


#13 Mal nicht nur aus Eitelkeit in den Spiegel schauen

In fünfzig Jahren möchte ich nicht zurückblicken und über eine menschliche Beziehung grübeln, nur weil ich zu spät erkannt habe, dass der Grund für unser Auseinandergehen eine dumme Kleinigkeit war. Jeder hat das Recht, sich verletzt zu fühlen, sich zurückzuziehen und sich zum Heilen zu distanzieren, aber nicht jeder kann immer im Recht sein.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Menschen vergessen, dass sich in einem Streit alle im Recht sehen und alle das Gefühl haben, Unrecht erlebt zu haben. Es kann gut sein, dass sich alle im Gefecht der Worte verletzt fühlen und in gewisser Weise auch Recht haben, aber eben nur aus der eigenen Perspektive. Oft erkennen wir das nicht. Wir merken nicht, dass auch unsere Worte verletzend sein können, dass wir im Unrecht sind und manchmal selbst das Problem darstellen.

Niemand ist perfekt. Trotzdem ließe sich das Zusammenleben viel angenehmer gestalten, wenn mehr Menschen sich zuerst an die eigene Nase fassen würden, bevor sie andere zum Problem machen. Denn irgendwann, wenn es zu spät ist und man eine ähnliche Situation von außen betrachtet, erkennt man, wie wenig Verständnis man selbst hatte. Bevor wir also erst im Alter merken, wie unsinnig viele Konflikte eigentlich waren, können wir unserem zukünftigen Ich etwas Gutes tun und öfter in den Spiegel schauen.


#14 Nicht jedes Wort braucht ein Echo

Wer Freundschaften lange halten, Bekanntschaften pflegen und ein gutes Verhältnis zu seinen Verwandten haben möchte, muss auch mal beide Augen zudrücken. Verständnis und Empathie sind das A und O, um die Ruhe im Leben zu bewahren. Früher habe ich mich schnell geärgert, wenn jemand etwas Unpassendes gesagt oder getan hat. Als Teenager bin ich oft mit Bauchschmerzen schlafen gegangen, weil mich das Verhalten anderer so sehr beschäftigt hat. Ich habe mir selbst Stress gemacht, sobald ich das Gefühl hatte, dass jemand rücksichtslos gehandelt oder etwas Verletzendes gesagt hat. Danach fasste ich jedes Mal den Entschluss, die Freundschaft oder den Kontakt abzubrechen und fing an, die Person innerlich zu canceln.

Irgendwann merkte ich, dass nicht jeder so ist wie ich, und vielleicht ist das auch gut so. Nicht jeder hat dieselbe Art zu reden oder zu denken. Was für mich unangenehm oder „cringe“ wirkt, ist für mein Gegenüber vielleicht völlig normal und andersherum genauso. Wenn ich ehrlich bin, ist es oft besser, einfach nichts zu sagen. Also ja, wenn jemand meint, die Hose sehe „kacke“ an mir aus, weil das nun mal sein Sprachgebrauch ist und die Person “einfach ehrlich” sein will, dann überhöre ich es lieber. Manche Dinge verlieren ihre Bedeutung, sobald man ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt.


#15 Was du willst, dass man dir tu, das füg jedem andern zu

Zwar lernen wir diesen Punkt schon in der Kita, aber spätestens im Teeniealter lebt man doch etwas anders. Als Kind haben mir meine Eltern beigebracht, immer nett zu anderen Kindern zu sein, höflich zu Älteren und darauf zu achten, niemanden zu verletzen, weil ich das für mich auch nicht möchte. Später lebte ich eher nach dem Motto: Ich gebe dir die gleiche Energie zurück, die du mir entgegenbringst, und jeder bekommt das zurück, was er vorausgeschickt hat.

Als ich anfing zu begreifen, wie wichtig Verständnis, Empathie und Selbstreflexion sind, wurde mir auch klar, wie anstrengend dieses Motto manchmal sein kann. Als junger Teenager war es noch machbar und irgendwie cool, aber irgendwann merkte ich, wie sehr man sich damit selbst im Weg stehen kann. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass es nicht darum geht, immer alles zu spiegeln, sondern sich selbst treu zu bleiben. Heute beziehe ich auch Menschen mit ein, zu denen ich nicht viel Kontakt habe, wenn ich weiß, dass sie von unseren Plänen gehört haben. An ihrer Stelle würde es mich auch treffen, übersehen zu werden. Zu meinem Geburtstag lade ich oft ein paar mehr Leute ein, einfach weil ich weiß, wie schön es ist, sich willkommen zu fühlen. Und wenn mich jemand an der Kasse fragt, ob er vor darf, sage auch nicht immer nein.

Im Grunde läuft alles darauf hinaus, anderen das zu geben, was man sich für sich selbst wünscht.

 
 
 

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