- Amira Berazek
- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Du und dein Lieblingsmensch gegen den Rest der Welt. Ein Duo, das nur gemeinsam
vollständig wirkte. Bei dem man das Gefühl hatte: Fehlt die eine Hälfte, fehlt alles.
Bis eine Liebesbeziehung in ihr Leben tritt und sich plötzlich etwas zwischen euch verschiebt. Du bist nicht mehr Priorität, sondern eine Option, nicht mehr die erste Person, die angerufen wird, sondern diejenige, die wartet.
Jahrelang wart ihr wie Yin und Yang, unzertrennlich und selbstverständlich. Doch auf einmal fühlt es sich zwischen euch fremd an. Wer noch nie einen Friendship Break-up erlebt hat, weiß nicht wirklich, wie sich so eine Art von Herzschmerz anfühlt. Die einzige
Unterstützung, auf die man immer zählen konnte, fällt plötzlich weg. Die Person, die dir sonst immer ein Lachen geschenkt hat, ist auf einmal die, die dich verletzt.
Es ist dieses leise Vermissen im Alltag, das sich in den kleinsten Momenten zeigt. Du greifst automatisch zum Handy, willst etwas teilen, einen Gedanken, einen Witz, irgendetwas Banales, und merkst dann, dass da niemand mehr ist, der genau versteht, warum das gerade wichtig ist. Orte fühlen sich anders an, Erinnerungen schwerer, weil sie immer auch ein „wir“ enthalten, das es so nicht mehr gibt.
Gleichzeitig ist da dieses Gefühl von Ohnmacht, weil plötzlich eine so große, selbstverständliche Komponente in deinem Leben wegfällt und du nichts daran ändern kannst. Etwas, das immer da war, ist einfach nicht mehr greifbar, und genau das macht es so schwer zu akzeptieren. Ein Friendship Break-up ist selten laut. Es gibt keinen klaren Schnitt, kein endgültiges Gespräch, das alles abschließt. Stattdessen ist da diese langsame Distanz, dieses Gefühl, ersetzt worden zu sein, austauschbar geworden zu sein. Und vielleicht ist genau das das Schmerzhafteste daran.
Nach einer Trennung gibt es meistens Menschen, die dich auffangen, zum Beispiel Freunde, Familie und oft genau die Person, die dir am nächsten steht: deine Vertrauensperson. Man ist nicht allein damit und irgendwann wird es leichter. Aber was passiert, wenn genau diese Person fehlt? Wenn sie nur noch dann da ist, wenn sie selbst jemanden braucht?
So ein Bruch kommt oft nicht plötzlich, sondern schleicht sich ein, fast unbemerkt, mit einer neuen Beziehung und einem Menschen, der auf einmal wichtiger wird als alles, was vorher da war.
Auf einmal verschieben sich Prioritäten, Nachrichten bleiben länger unbeantwortet,
Treffen werden abgesagt und aus eurem „Wir“ wird langsam ein „Ich und …“. Irgendwann
merkst du, dass du nicht nur deine Vertrauensperson verlierst, sondern auch den Platz, den du in ihrem Leben hattest.
In Sex and the City beschreibt Carrie Bradshaw einen unsichtbaren Konflikt, eine Art stillen „Krieg“ zwischen Singles und Vergebenen. Die einen gelten als angekommen, als hätten sie es geschafft, während die anderen eher wie eine Zwischenstation wirken.
Und genau darin liegt vielleicht die eigentliche Frage: Wird eine Beziehung zu einem
Maßstab? Zu einem Beweis dafür, dass man weiter ist, erwachsener oder irgendwie „richtiger“? Und rückt dadurch alles, was vorher wichtig war, nach und nach in den
Hintergrund?
Freundschaften, die jahrelang getragen haben, wirken auf einmal so stabil, dass man denkt, sie halten das schon aus, dass sie selbstverständlich sind und jederzeit noch da sein werden, auch wenn man sie immer wieder hintenanstellt. Dabei verändern Beziehungen nicht nur den Alltag, sondern auch Dynamiken, Erwartungen und Prioritäten und manchmal auch den Blick darauf, wen wir für selbstverständlich halten.
Eine Beziehung kann vieles sein, aber sie kann dir nicht das geben, was eine langbestehende Freundschaft dir gibt: nicht die gleiche Geschichte, nicht die gleiche Tiefe und nicht dieses besondere Gefühl, von jemandem gekannt zu werden, noch bevor man sich selbst ganz verstanden hat.
Trotzdem sind es oft genau diese Freundschaften, die vernachlässigt werden, weil sie sich so sicher anfühlen, bis sie es irgendwann nicht mehr sind. Dabei hat jede Beziehung ihren eigenen Platz, sowohl im Herzen als auch im Leben. Freundschaft und Liebe stehen nicht im Gegensatz zueinander, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Leider glauben viele, dass sie sich zwischen ihrem Lieblingsmensch und ihrer Beziehung
entscheiden müssen. Vielleicht liegt genau darin der Fehler, denn die Idee, dass Liebe nur funktioniert, wenn Freundschaft darunter leidet, führt am Ende nicht zu mehr Glück, sondern dazu, dass von allem ein bisschen weniger bleibt.